Das Symposion Mogersdorf

Kurzbeschreibung und Ziele des Symposions

Das „Internationale Kulturhistorische Symposion Mogersdorf“ wurde im Jahr 1969 gegründet mit der Zielsetzung, über die trennenden Gräben der damaligen gesellschaftlichen Spaltung Europas hinweg ein Forum für Historiker und Angehörige verwandter Wissenschaften aus den Ländern des „pannonischen Raumes“ zu sein. Seither werden in den jährlichen Zusammenkünften jeweils bestimmte kulturgeschichtliche Phänomene, die die Nationen des „pannonischen“ Großraumes verbinden (oder unterscheiden), behandelt. Das Symposion findet alternierend in einem der Teilnehmerländer (Burgenland, Steiermark, Slowenien, Kroatien und Ungarn) statt; die Lebendigkeit der Mogersdorf-Idee wird dadurch unterstrichen, dass seit dem Jahr 2003 eine zweite, vom Komitat Somogy getragene ungarische Delegation am Symposion teilnimmt (bis dahin waren die ungarischen Aktivitäten organisatorisch ausschließlich vom Komitat Vas abgewickelt worden).

Von Anfang an hatte das „Internationale Kulturhistorische Symposion Mogersdorf“ die Zielsetzung, nicht bloß ein Wissenschaftlertreffen zu sein, sondern (im Rahmen seiner Möglichkeiten) einen aktiven Beitrag zur Völkerverständigung in Mitteleuropa zu leisten. Aus diesem Grund findet ein relativ umfangreiches Begleitprogramm statt (Exkursion, Konzertveranstaltung, Gesellschaftsabend). Diese Zielsetzung wird auch dadurch unterstrichen, dass ein relativ hoher Anteil an der Teilnehmerschaft aus Studenten, Lehrern, interessierten Laien usw. besteht, denen dadurch ein „Hineinschnuppern“ in die wissenschaftliche Welt ermöglicht wird. Die „Stammgäste“ des Symposions schätzen den gesellschaftlichen Stellenwert dieser Veranstaltung und die Möglichkeit, Jahr für Jahr grenzüberschreitende Freundschaften anzuknüpfen und zu pflegen, sodass gesagt werden muss, dass das Mogersdorf-Symposion seine gesellschaftspolitische Funktion, neben den wissenschaftlichen Ergebnissen, bis heute vorbildlich erfüllt.

Als dauerhaftes Ergebnis des Symposions werden die Referate in einem Sammelband gedruckt.

GENERALTHEMEN DER SYMPOSIEN SEIT 1969

1969, Mogersdorf: Österreich und die Türken
1970, Mogersdorf: Österreich und die Südslawen
1971, Mogersdorf: Das Nationalitätenproblem im pannonischen Raum – Ein Beitrag zur Völkerverständigung
1972, Kőszeg: Die Entwicklung und Bedeutung der Städte und Märkte im pannonischen Raum vom 16. bis zum 19. Jahrhundert
1973, Maribor: Bauernstand und Bauernaufstände vom 15. bis zum 19. Jahrhundert
1974, Sisak: Die Arbeiterbewegung von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs
1975, Mogersdorf: Schul- und Bildungswesen im pannonischen Raum bis 1918 mit besonderer Berücksichtigung des niederen Schulwesens
1976, Kőszeg: Schul- und Bildungswesen im pannonischen Raum bis 1918 mit besonderer Berücksichtigung des höheren Schulwesens
1977, Radenci: Die Entwicklung des Verkehrswesens im pannonischen Raum bis 1918
1978, Osijek: Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Nachwirkungen der Industrialisierung im pannonischen Raum zwischen den zwei großen Krisen 1873-1929
1979, Mogersdorf: Die politische und wirtschaftliche Situation der pannonischen Länder zwischen den beiden Weltkriegen
1980, Kőszeg: Verschiedene kulturelle Bestrebungen zwischen den beiden Weltkriegen im pannonischen Raum
1981, Radenci: Der Bauer und die Landwirtschaft im pannonischen Raum vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Weltwirtschaftskrise
1982, Graz: Der pannonische Raum zwischen Beharrung und Fortschritt – Das Modernisierungsprogramm im 19. Jahrhundert bis zum Ausgleich (1867/1868)
1983, Osijek: Bauer und Landwirtschaft im pannonischen Raum von der Weltwirtschaftskrise bis zum Zweiten Weltkrieg
1984, Mogersdorf: Staat und Gesellschaft im Zeitalter des Dualismus
1985, Kőszeg: Staat und Gesellschaft in der Zwischenkriegszeit im pannonischen Raum
1986, Celje: Buchdruck und Druckschriften im pannonischen Raum bis zu den josephinischen Reformen – Einfluss und Auswirkungen
1987, Graz: Markt- und Städtewesen im pannonischen Raum vom Hochmittelalter bis in die Türkenzeit (13. bis 16. Jahrhundert)
1988, Osijek: Die Entwicklung der bürgerlichen Welt im pannonischen Raum vom 16. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution
1989, Mogersdorf: Die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Entwicklung des Bürgertums im pannonischen Raum
1990, Kőszeg: Die bürgerliche Welt im pannonischen Raum zwischen 1830 und 1867
1991, Rogaška Slatina*: entfallen
1992, Rogaška Slatina: Die bürgerliche Welt im pannonischen Raum zwischen 1867 und 1914
1993, Graz: Migration und Ethnogenese im pannonischen Raum bis zum Ende des 12. Jahrhunderts
1994, Mogersdorf: Verfestigung und Änderungen der ethnischen Strukturen im pannonischen Raum im Spätmittelalter
1995, Stubićke Toplice*: entfallen
1996, Kőszeg: Das Bild vom Anderen im pannonischen Raum – Gefühle und Fakten, Form und Funktion
1997, Trakošćan: Verfestigung und Änderungen der ethnischen Strukturen im pannonischen Raum von 1526 bis 1790
1998, Ptuj: Verfestigung und Änderungen der ethnischen Strukturen im pannonischen Raum von 1790 bis zum Ersten Weltkrieg
1999, Graz: Minderheiten in den Staaten des pannonischen Raumes zwischen den beiden Weltkriegen
2000, Mogersdorf: Kirche, Staat und Gesellschaft im pannonischen Raum – Volksfrömmigkeit, Bildungs- und Sozialwesen
2001, Kőszeg: Die Rolle der Kirchen im Modernisierungsprozess der Gesellschaft im 18. und 19. Jahrhundert im pannonischen Raum
2002, Koprivnica: Kirche, Staat und Gesellschaft im pannonischen Raum im 20. Jahrhundert
2003, Murska Sobota: Neuzeitliche Reisekultur im pannonischen Raum bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
2004, Nagyatád: Reisekultur im pannonischen Raum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg
2005, Bad Radkersburg: Führungsschichten im pannonischen Raum im 18. und 19. Jahrhundert
2006, Mogersdorf: Das Gesundheitswesen im pannonischen Raum vom 16. bis zum 18. Jahrhundert
2007, Kőszeg: Führungsschichten im pannonischen Raum zwischen 1890 und 1945
2008, Varazdin: Alte und neue Eliten im pannonischen Raum seit 1945 
2009, Balatonszarszo: Das Judentum im pannonischen Raum vom 16. Jahrhundert bis zum Jahr 1914
2010, Celje: Mensch und Umwelt im pannonischen Raum vom 18. bis ins 20. Jahrhundert
2011, Fürstenfeld: Gesinde im pannonischen Raum vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert
2012, Mogersdorf: Entwicklungen und Aufgaben von Gedächtnisorten in der Erinnerungskultur im pannonischen Raum vom 19. bis zum 20. Jahrhundert
2013, Koprivnica: Geschichte der Körperkultur und des Sports im pannonischen Raum im 19. und 20. Jahrhundert
2014, Köszeg: Krisen und Lösungen vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges im pannonischen Raum
Die Symposien 1991 und 1995 mussten wegen des Kriegs in Ex-Jugoslawien kurzfristig abgesagt werden.

ORGANISATIONSFORM

Das „Internationale Kulturhistorische Symposion Mogersdorf“ wird vom „Schlösslverein“ in Mogersdorf ausgetragen, dem (in den Jahren, in denen das Burgenland mit der Ausrichtung des Symposions betraut ist) die Organisation vor Ort obliegt. (In den anderen Ländern wird die Organisation jeweils von einer ortsansässigen Einrichtung [Universität Graz, Universität Maribor usw.] vorgenommen.) Der Schlösslverein ist ein gemeinnütziger Verein, der neben der organisatorischen Abwicklung des „Internationalen Kulturhistorischen Symposions Mogersdorf“ auch mit der Pflege der Gedenkstätten in Mogersdorf (Gedenken an die Türkenschlacht von 1664) befasst ist; dies erklärt sich aus der Geschichte des Mogersdorf-Symposions, das gewissermaßen als „Nachfolgeveranstaltung“ für die vom Schlösslverein und dem Burgenländischen Landesarchiv organisierte Gedenkfeier an diese Schlacht im Jahr 1964 entstand.

Die Festlegung der wissenschaftlichen Inhalte des Symposions und die Nominierung der Referenten obliegen einem internationalen Organisationskomitee, das jährlich dreimal zusammentritt und den jeweiligen Stand der Vorbereitung in den einzelnen Ländern berät und koordiniert. Dieses Komitee setzt sich aus 2 bis 3 Mitgliedern pro Teilnehmerland (Burgenland, Steiermark, Slowenien, Kroatien, Ungarn-Komitat Somogy, Ungarn-Komitat Vas) zusammen; die einzelnen Mitglieder sind an verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen (Universitäten, Archive usw.) in ihren Ländern tätig. Die Nominierung der Referenten wird von jedem Land separat vorgenommen; jedem der teilnehmenden Länder steht ein Kontingent von 2 Referaten zur Verfügung, wobei die Referenten aber nicht zwingend aus dem jeweiligen Land stammen bzw. den Mittelpunkt ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit dort haben müssen. Darüber hinaus stellt das jeweilige Veranstalterland (heuer Burgenland) das allgemein gehaltene Eröffnungsreferat.